Verein Begegnung - arcobaleno

Friedhofstr.6

4020 Linz

0732/605897

 

 

Arcobaleno

 

Verein Begegnung

 

 

 

 

„Wir“ und „die anderen“

„Ich gebe auch zu bedenken, dass die Idee der Gleichheit aller Menschen ja deshalb so wichtig ist, weil sich alle Menschen voneinander unterscheiden.“  (Theodosius Dobhzansky)

„Ausländer“ und „Österreicher“, „Moslems“ und „Christen“, „Schwarze“ und „Weiße“ - Kategorien, die uns da Gefühl von  Homogenität  innerhalb dieser Gruppen und die Unvereinbarkeit untereinander vermitteln sollen.  Unterschwellig (und immer öfters auch ganz offen) wird diese Kategorisierung durch eine (Ab-)Wertung ergänzt und schon ist nach altbekanntem Rezept die Rechtfertigung für Ausgrenzung und Diskriminierung geschaffen.

Dies mag zwar im Interesse bestimmter politischer Kräfte liegen, nicht aber einer humanen, an friedlichem Zusammenleben und Weiterentwicklung interessierten Gesellschaft.

 

Wenn wir von einer multikulturellen Gesellschaft sprechen, dann geht es nicht mehr darum, diese zu schaffen.
Dies ist bereits vor langem durch Völkerwanderung, willkürliche Grenzziehungen, Migrationsbewegungen und Globalisierung geschehen. Es geht darum, ihre Realität anzuerkennen und ihr sowohl politisch als auch in unserem Denken gerecht zu werden. Dabei ist mit multikultureller Gesellschaft nicht ein kultureller Einheitsbrei, keine „Mc Donaldisierung“ unserer Gesellschaft gemeint, sondern ein Weg, der sowohl die Suche und Weiterentwicklung von Gemeinsamkeiten als auch die Sicherung der Vielfalt enthält.

 

Jede Form von Fundamentalismus, egal auf welcher Seite, bewirkt Trennung und verhindert Entwicklung. Darunter fällt auch das Festhalten an der Definition von Kultur als soziale Einheit innerhalb nationaler oder ethnischer Gefüge.

Es geht vielmehr darum, Kulturen jenseits des Gegensatzes von Eigenkultur und Fremdkultur zu betrachten, entsprechend dem Konzept der „Transkulturalität“ (Welsch). Wenn wir beachten, dass wir in einer Vielzahl kultureller Bezugssysteme leben, (z.B. Beruf u. Bildung, Interessen, Familiensituation, Generation, Weltanschauung, Tradition, …), erkennen wir die Unsinnigkeit, uns nur mehr mit einem einzigen Kollektiv („wir Österreicher“) zu identifizieren. Wir haben innerhalb verschiedenen Bezugs-

systeme Gemeinsamkeiten  mit anderen Menschen , während wir uns in anderen voneinander unterscheiden. Dies gilt  innerhalb einer nationalen oder ethnischen Gruppe genauso wie für die Beziehungen zwischen Menschen allgemein. Niemand ist nur gleich oder nur anders. Unsere Identität ist so vielfältig wie die Rollen und Interessen in unserem Leben.

 

Wenn wir uns die Zeit nehmen und den Schritt machen, miteinander zu reden, werden wir bemerken, wie viel wir als Mütter, Väter, Werktätige, KünstlerInnen, NaturliebhaberInnen, SportlerInnen, Junge oder Senioren usw. gemeinsam haben an Wünschen, Träumen, Bedürfnissen, Freuden und Ängsten.

So erkennen wir, dass es im Zusammentreffen nicht nur Differenzen, sondern stets auch Anschlussmöglichkeiten gibt. Diese stellen die Basis  für gemeinsame neue Gesellschaftskonzepte dar.

 

Dieses Entdecken der Gemeinsamkeiten und der Unterschiede ermöglicht den gemeinsamen Lernprozess und kulturelles Wachstum. Die Wahrung der Vielfalt bedarf wechselseitiger Akzeptanz und Wertschätzung,  sowie intensiver Kommunikation und Zusammenarbeit, um die notwendigen Rahmenbedingungen  zu schaffen.

Dies kann aber nur auf der Basis von Sicherheit und Gleichberechtigung gewährleistet werden.

Dieser Ansatz erfordert Umdenken, in der Politik genau so wie in unseren Köpfen.

 

Der erste und wesentliche Schritt ist ein Weggehen vom Denken in ausschließenden Kategorien. Dann sind wir nicht mehr „Inländer“ oder  „Ausländer“, sondern Menschen mit Interessen, Gefühlen und Bedürfnissen.

Die Frage ist dann nicht mehr, wie die Minderheit in das Mehrheitssystem integriert werden kann, sondern wie wir unsere Gesellschaft gestalten können, damit ein gutes (Zusammen-)Leben und Wachstum für alle ermöglicht wird.