Verein Begegnung - arcobaleno

Friedhofstr.6

4020 Linz

0732/605897

 

 

Textfeld: Vom Kirchturm ruft der Muezzin

Eine Welle der Islamophobie zieht über Europa. Horrorszenarien werden an die Wand gemalt in Form eines Islams, der das Christentum vertreibt, alle Österreicherinnen dazu zwingt Kopftücher oder gar die Burka zu tragen, Moscheen anstelle der Kirchen errichtet und zum großen Schreck gar noch das geliebte Bier verbietet.

In der Schweiz ruft die rechtsgerichtete Schweizer Volkspartei zu einer  Volksabstimmung auf, in der 57% für das menschenrechtswidrige Verbot von Minaretten stimmen. In Österreich wäre das zwar rechtlich nicht möglich, aber auch hierzulande verbreiten Rechtspopulisten wie H.C. Strache und seine Gefolgsleute Schauergeschichten und Hetzpropaganda gegen Moslems und den Islam. So wie seine niederländischen und dänischen Gesinnungsgenossen wünscht auch Strache sich eine Abstimmung nach dem Schweizer Muster.

 

Mit Slogans wie „Daham statt Islam“ und „Abendland in Christenhand“ hat er bereits im Wahlkampf um Stimmen gebuhlt. Das FPÖ Bildungsinstitut lädt Jungwähler zu einem kostenlosen Seminar über „Grundlagen des Islam“ ein, in dem sich die angebliche „Islamexpertin“ Elisabeth Sabaditsch –Wolff auf zutiefst menschenverachtende und widerliche Art über Muslime und deren Glauben auslässt. Eine News-Reporterin, die undercover an dem Seminar teilnahm, hat diese unglaublichen Aussagen an die Öffentlichkeit gebracht (News 48/09). Aussagen wie „Muslime töten wegen der Religion“, „Muslime sind zum Lügen verpflichtet“ und „Muslime vergreifen sich an Kindern“ sind nur einige Beispiele für diese skandalösen Schmähungen.

 

Ebenfalls skandalös ist die Tatsache, dass dieses sogenannte Bildungsinstitut, das eine derartig hassschürende Lügenverbreitung anscheinend als Auftrag zur Staatsbürgerbildung betrachtet, pro Jahr 2,2 Millionen Euro an Subventionen aus Steuermitteln erhält, während gleichzeitig Mittel für Deutschkurse und Lernförderung für Migrantenkinder gestrichen werden und auch sonst an allen Ecken das Geld fehlt.

 

Die Frage ist, warum derartige Propaganda in den Köpfen ganz vieler wirken kann. Anscheinend fällt sie auf reifen Boden. Die Verfolgung von Menschen mit anderem Glauben hat lange Tradition. Waren es erst die Juden, dann die Protestanten und später erneut die Juden, so müssen jetzt die Moslems als Feindbilder herhalten.

In einem Klima, das ohnehin bereits geprägt war durch Vorurteile und Angst vor dem Fremden, haben natürlich Terroranschläge und Gewalt durch Extremisten zusätzlich Ängste erzeugt. Aber Fundamentalismus und Radikalität wird auch vom überwiegenden Teil der Moslems abgelehnt und ist auf keiner Seite zu befürworten.

 

Durch Lügen und unsachliche Auslegung  des Korans wird bewusst Angst und Abneigung geschürt. So ist z.B. die oft zitierte Zwangsheirat im Koran verboten. Die Voraussetzung für eine Eheschließung ist, dass die Frau zustimmt. Es handelt sich bei solchen Problemen eher um kulturelle Phänomene in bestimmten Regionen. Auch in unserer Geschichte liegt es noch nicht so weit zurück, dass die Ehe von den Eltern arrangiert wurde.

Vergewaltigung ist laut Koran eine schwere Sünde, schwerer als Mord.

Klitorisbeschneidungen oder die totale Verschleierung der Frau haben mit dem Koran absolut gar nichts zu tun. Außerdem ist der Islam genauso wenig eine einheitliche Religion wie das Christentum. Mit Absicht wird ignoriert, dass es hier wie da offene, fortschrittliche Kräfte gibt.  Islam wird gleichgesetzt mit Fundamentalismus.

 

Auch die Wirtschaftskrise trägt ihren Teil zum Erfolg dieser verhetzenden Propaganda bei. Die Menschen sind verunsichert und Feindbilder waren immer willkommen, um von den wahren Problemen abzulenken.

All das bietet einen fruchtbaren Boden für rechte Kräfte, ihre rassistische Ideologie zu verbreiten und damit regen Zulauf zu verbuchen.

Die großen Parteien halten sich nicht nur zurück, sondern versuchen auch noch, sich am rechten Rand  ein paar Wähler zu angeln, indem sie der aufgehetzten Stimmung durch immer strengere Ausländergesetze gerecht werden wollen, anstatt dem rechten Treiben entschieden entgegenzutreten.

Ängste  müssen ernst genommen werden und dort wo Probleme bestehen, ist es notwendig, nach Lösungen zu suchen. Dies kann am besten durch den Dialog und die Zusammenarbeit aller dafür offenen Kräfte, unabhängig ihrer Religion gelingen. Der überwiegende Teil der in Österreich lebenden Moslems bekennen sich zu den grundlegenden Werten der Demokratie und Meinungsfreiheit, Werte, die so manchem rechten Politiker längst abhanden gekommen sind.

                                                          E.Mayrhofer

Textfeld: Was soll mit dieser Art von Berichterstattung erreicht werden ?

Aus der Gratistageszeitung

„ÖSTERREICH“

Mo. 7.12.09

Arcobaleno

 

Verein Begegnung